KÖRPERGEFÜHLE ERKENNEN – VERHALTEN ÄNDERN

Vita

1954 Lebensbeginn in Hamburg
1973 bis 1975 Studium der Erziehungswissenschaften, Universität Gießen.
1975 bis 1985 Studium der Medizin, Universitäten Gießen und Lübeck. Approbation - Promotion: "Glutathion und Glutathion-abhängige Enzyme in der menschlichen Dickdarmschleimhaut - Untersuchungen an Patienten mit Dickdarmtumoren." Verzögerung des Studiums durch Familientrauma.
1985 bis 1990 Klinische Fachausbildung in der Psychiatrie, LKH Neustadt/Holstein.
1990 Geburt unserer Tochter; lange Familienzeit mit Wohnort/Länder/Sprachwechsel.
2004 bis 2006 Studien in der Begabungsförderung am European Council for High Ability in Zürich. Wöchentliche Therapie mit der Rosen-Methode Körperarbeit zur Zeit der Familienauflösung; seither > 1000 Behandlungen am eigenen Körper und weiterhin.
12/2006 bis 6/2011 Studienaufenthalte zur Ausbildung in der Rosen-Methode Körperarbeit - 2006-2008 Rosen Method Berkeley Center, Kalifornien, USA (wöchentlich Unterricht, Intensivkurse; ein Jahr Unterricht Rosen-Methode Movement); 2009-2011 Internship mit Intensivkursen, Supervisionen am Rosen Method Center SouthWest, New Mexico, USA; Supervisionen u.a. in Cambridge, UK und Stockholm, Schweden. 2011 Zertifikat - www.roseninstitute.net.
Studien der Neurowissenschaften und Somatics seit 2004: in Europa und USA - San Francisco, UC Berkeley, Medical School UC Los Angeles, New York.
1992 - 2009 Leben im Ausland: in den Niederlanden, Schweiz (Genf) mit Familie; alleine in Berkeley, Kalifornien, USA.
2009 und 2011 Klinische Arbeit in Deutschland (Psychosomatik und Psychiatrie) mit Einbeziehung der Rosen-Methode Körperarbeit.
seit 2010 Privatärztliche Praxis für Körper-Trauma-Psychotherapie in Michelstadt/Odw.
2011 bis 2013 Selbstorganisierte Buchübersetzung "The Psychophysiology of Self-Awareness", Alan Fogel, Professor für Entwicklungspsychologie, Bindungsforscher, SLC, Utah; Rosen-Methode Senior Lehrer & Rosen-Methode-Körpertherapeut. Deutscher Titel: "Selbstwahrnehmung und Embodiment in der Körperpsychotherapie", Schattauer Verlag 2013
seit 2013 Redaktionsmitglied (editorial staff) des Rosen Method International Journal, Gründer Alan Fogel - www.rosenjournal.org - zur Förderung von Praxis & Wissenschaft der Methode

Ärztliche Praxis

Nach acht Jahren Ausbildung in somatischer Methodik war Begriffsklärung für die ärztliche Praxis gefragt:

Die Ausbildung zur Rosen-Methode Körpertherapeutin hat meine Perspektive als Schulmedizinerin verändert. Meine Fachbuchübersetzung1 hat mir bisher fehlendes Wissen und tiefe Erkenntnisse zur Psychophysiologie im Trauma erschlossen; altes schulmedizinisches und psychiatrisches Wissen wurde vor neue Lernaufgaben gestellt. Die verkörperte Selbstwahrnehmung1 (VSW) mit der Rosen-Methode Körperarbeit schafft Zugang zu Krankheitsursachen und fördert die Empathie. Alle zusammen bilden ein wichtiges Instrument für die Diagnostik und im Therapieverlauf. Die Rosen-Methode - ihre präsente Berührung und weitere Wirksamkeiten - integriert in psychiatrische Erfahrungen, legten das neue Fundament für die Körper-Trauma-Psychotherapie in meiner Praxis.
Hier erfahre ich die Irrwege, Ausdauer und (Un-) Geduld von Menschen auf der Suche nach Heilung.
Für diese braucht es eigene biologische Verbindungen in lebendiger Selbstwahrnehmung - ohne Manipulation!

1Selbstwahrnehmung und Embodiment in der Körperpsychotherapie, Alan Fogel, Schattauer Verlag, 2013
(übersetzt und bearbeitet von Helmi Boese aus dem gebundenen Original The Psychophysiology of Self-Awareness, 2009; Taschenbuchausgabe als Body Sense, 2013 - beide W.W.Norton).

Selbsterfahrung im Trauma

Die Geburt unserer Tochter aus meiner verkörperten Selbstwahrnehmung:
Die Rückenmarksanästhesie zum Kaiserschnitt lähmte mein Zwerchfell mit Luftnot.
Man gab mir mein Baby nicht in den Arm; keine Zeit es willkommen zu heißen; keine Zeit für Hautkontakt.
Später formte sich mein Blut zu Klumpen. Sie fielen aus mir heraus, ich sah sie bei den Blutentnahmen.
Zwei Paar Hände tasteten ständig meinen Bauch ab, leichter die einen, schmerzhaft die anderen; keine Kraft mich zu wehren. Dem verblüfften Oberarzt nannte ich die lebensbedrohliche Diagnose, spürte seine sanft abtastenden Hände. Der Beginn einer friedlichen Nahtoderfahrung (Dissoziation) folgte.
Die Intensivmedizin tat ihr Bestes, eine weitere Operation und fürsorgliche Krankenpflege brachten grünes Licht.
Das Heranwachsen meines Wunschkindes zu erleben schien möglich.
Am nächsten Tag konnte ich die schmerzhaft untersuchenden Hände abwehren. Nun führte ich Regie.
Später hämatologisches Konsil an meinem Bett: Zur Abklärung der Blutwerte eine Knochenmarkspunktion?
Als Patientin & Ärztin spürte ich die körperliche Bedrohung. Mit klarem Kopf lehnte ich die sinnlose Prozedur ab.
Es war Zeit die Klinik zu verlassen! Bald nach Entlassung diese Fernsehmeldung: Blutgerinnungsfaktor HIV-infiziert! Sofort Angst, Erstarrung und schnelle Nachfrage mit Entwarnung - aufatmen: mein Produkt war nicht HIV-infiziert!
Und, mein intuitives und medizinisches Wissen, das die Knochenmarkspunktion abgelehnt hatte wurde bestätigt:
Zwei Wochen nach Entlassung regulierte sich mein Gerinnungssystem, die Werte normalisierten sich.
Fazit: Inmitten der Lebensbedrohung spürte ich meine verkörperte Selbstwahrnehmung.
Auf der Intensivstation war ich jedoch meist zu schwach, sie zu nutzen. Im bedrohlichen Moment des Konsils konnte ich diese mit der begrifflichen Selbstwahrnehmung meines medizinischen Wissens verbinden.
Wieder bei Kräften nach überwundener Dissoziation, fand ich also aus sicherer Assoziation zur Erkenntnis.
Die wiederhergestellte Verbindung vom Körpergefühl zur Kognition, ermöglichte mir die Entscheidung in eigener Regie - gegen die unnötige Knochenmarkspunktion. Das Bonding mit meinem Baby war inzwischen gelungen.

© Helmi Boese | Letzte Aktualisierung: Montag, 07.05.2018