KÖRPERGEFÜHLE ERKENNEN – VERHALTEN ÄNDERN

Wirkungsweise

Die Rosen-Methode unterscheidet sich von anderen Therapien durch ihr verbindendes Arbeiten -
Urbedingungen menschlichen Wachsens und Daseins werden damit genährt:

  • mit haltend-präsenter Berührung
  • am Atem - Zwerchfell (Diaphragma)
  • und wachrufenden (evozierenden) Worten 

Ihre respektvolle und umfassende Berührung wirkt am tiefsten in den emotionalen Körper. Dadurch werden Körpergefühle, Emotionen und Bewegungen freigesetzt. Atembewegungen im Verhältnis zur Muskelspannung werden mit beiden Händen begleitet. Die Berührung der Haut, auch über einem Laken, erfasst den gesamten Körperausdruck. Respektvoll wachrufende Worte erreichen die verkörperte Selbstwahrnehmung. Diese kann jedoch sprachlos sein, wenn sie vor dem Spracherwerb oder durch Bindungsverlust (Trauma) gestört wurde.
Die Berührung und Atemarbeit stellt Verbindung wieder her.

Körperbild

Körperausdruck und Haltung formen sich aus Erfahrungen von Sicherheit, Bedrohung oder Gefahr (siehe: Trauma & Bindung). Akute und chronische Muskelanspannung unterdrückt den Atem. Ein chronisch kontrahierter Muskel verhindert den natürlichen Bewegungsablauf; Körperräume verengen, begleitet von schlechter Organdurchblutung mit späteren Folgeschäden für den ganzen Körper. Depression, Angst, oder Panik können sich ausbreiten. 

Berührung

Die tiefreichende Berührung der Rosen-Methode manipuliert nicht, sie fordert kein Ergebnis. Die Hände lauschen auf das, was sich unter ihnen bewegt: wie es sich anfühlt, für Patient und Therapeutin. Die eine Hand mag stiller sein, die andere bewegter. Sinnesrezeptoren (Sinnesfühler) in der Haut von Therapeut und Patientin kommen in Kontakt, entwickeln Resonanz und leiten diese Information direkt in das autonome Nervensystem. So kann es sich in seinen unterschiedlichen Anteilen regulieren. Der emotionale Körper wird in der Tiefe erreicht. Körper & Seele können zueinander finden (Integration).

"... Berührung, in Wort und Handlung, hat in der Evolution eine lange Vorgeschichte. Ausdrucksvolle Gefühle wurden im Verlauf unserer langen Vergangenheit in Sprache eingebettet. Viele Worte sind befrachtet mit emotionaler Bedeutung und sie übermitteln Information über das Zwischenmenschliche. Wenn wir die Kraft der Worte ausgeschöpft haben, verlängern wir sie durch Berührung. Die Bedeutung von Berührung ist in unserem Vokabular eingefangen. Wie berührend! In Kontakt bleiben. Auf Holz klopfen. Eine Saite in jemandem berühren. Kontakt verloren. Das Mitgefühl ist letztlich eine Verbindung mit dem anderen, bekräftigt durch Berührung ..." 4
Bernard Lown
Kardiologe, Erfinder von Kardioversion und Intensivmedizin; Friedensnobelpreis mit IPPNW, 1985 
4 bernardlown.wordpress.com/2010/11/14/the-lost-touch/

Atem / Zwerchfell

Die Rosen-Methode Körperarbeit arbeitet am > Zwerchfell (Schaubild) oder Diaphragma. Die natürlichen Bewegungen des Atems (altgr. psyché) können sich so entwickeln. Das Zwerchfell ist der große, kuppelförmige zentrale Atemmuskel des Körpers. Aufgespannt wie ein Fallschirm bewegt er den Brustkorb, Lungenraum, das auf ihm sitzende Herz und massiert die Bauchorgane. Es steht in Verbindung mit Muskeln, die ins Becken ziehen (Psoas). Diese Drehscheibe zur verkörperten Selbstwahrnehmung hilft Emotionen zu erschließen.

Worte

Sinngebend-wachrufende Worte, von Therapeut und Patient, spiegeln den erlebten Körperausdruck. Sie verbinden Wahrnehmungen oder Erinnerungen mit dem subjektiven emotionalen Augenblick (Emergenz). Spontan kann der willkürlich-angestrengte Atem seinen unwillkürlich-natürlichen Rhythmus finden. Nicht immer gibt es Worte für das, was erlebt wird. Entscheidend ist der Zugang zum Fühlen. Hieraus kann sich Emotion und Entlastung bilden.

Historie

Marion Rosenfeld, später Rosen (1914-2012), wurde in Nürnberg geboren. In den 1930er Jahren lernte sie zwei Jahre in München im Studienzirkel von Gustav und Lucy Heyer. Er war Psychiater, Schüler und Kollege von Carl G. Jung.
Sie arbeitete als Atemtherapeutin mit Berührung. Die Heyers erkannten die hohe Wirksamkeit der komplementären Nutzung von Gespräch, Atemtherapie und Berührung. Lucy Heyer beschrieb Marion Rosen als ihre beste Schülerin!
1938 verlies Marion Deutschland. Sie hatte hier keine Zukunft. Mit einem Empfehlungsschreiben von Lucy Heyer an Gertrud Lederer für die Psychoanalytikerin Karen Horney in New York, ging sie nach Schweden. Dort wartete sie vier Jahre auf ihr US-Visum. In Schweden ließ sie sich zur Physiotherapeutin ausbilden und machte Bewegungsstudien an Tänzern. Marion Rosens feine Beobachtungsgabe, ihre Erfahrungen als Physiotherapeutin mit der Integration des in Deutschland Gelernten, bildeten die Grundlage für die Entwicklung der Rosen-Methode Körperarbeit und Movement in Kalifornien. Damals wie heute verkürzt das komplementäre Vorgehen von Berührung, Atembehandlung und evozierenden Worten deutlich die Therapiezeit. Warum ist das so?
-->  Alan Fogel gibt Antworten in: Selbstwahrnehmung und Embodiment in der Körperpsychotherapie

Gehirn-Nervensysteme

Berührung, Haut, Muskulatur, Empfindung, Wahrnehmung, Gefühl, Atem, Emotion, Bewegung, Diaphragma kooperieren im Wechselspiel der willkürlich-kontrolliert und spontan unwillkürlich-unkontrolliert autonomen Nervensysteme. Das periphere (außerhalb von Gehirn & Rückenmark), enterale (Eingeweide), kardiale (Herz) und zentrale (Gehirn) Nervensystem sind daran mit ihrem jeweils eigenen dynamischen Rhythmus beteiligt. Bindungs- und Traumaerfahrungen hinterlassen Spuren, bilden eigene komplexe Netzwerke in diesem Nerven- und Hormonsystem. Sie alle halten das Gefüge des Körpers zusammen oder trennen es.

Selbstwahrnehmung

Durch die Rosen-Methode öffnet sich der Weg zur verkörperten Selbstwahrnehmung:
„... unser Bewusstsein über uns selbst kann nur zwei Formen annehmen: verkörpert oder begrifflich.
Verkörperte Selbstwahrnehmung
meint die unmittelbar gefühlte Erfahrung des Augenblickes mit Sensationen wie warm, kribbelnd, weich, angeekelt, schwindelig; Gefühlen wie glücklich, traurig oder bedroht ...
Begriffliche Selbstwahrnehmung
ist aus Gedankenmustern, Bewertungen und Beurteilungen über das (falsche) Selbst oder Andere(s) zusammengesetzt ...“
(aus: Rosen-Methode-Körperarbeit: Praxis und Wissenschaft, Alan Fogel, S.3, Journal Somatics, Herbst 2011)

Selbstregulation

Mit der Rosen-Methode Körpertherapie kommen die Nervensysteme und das Muskelskelettsystem in den Heilungsprozess. Hierbei spielen Körperreaktionen wie neurogenes Muskelzucken, Gähnen oder/und Psychoperistaltik (Bauchgeräusche) eine bedeutende Rolle: Sie begleiten die Übergänge in die Selbstregulation und geben Auskunft über deren Entwicklung. Die verkörperte Selbstwahrnehmung führt den Atem in seine natürliche Bewegung. Der Wechsel im Gehirnwellenmuster (von Beta- zu Alpha- und Thetawellen) in trance-ähnlichem Zustand ermöglicht erhöhte emotionale Erinnerungs- und Lernfähigkeit.

© Helmi Boese | Letzte Aktualisierung: Montag, 24.09.2018